Schlagwort-Archive: Pflege

Pflegeheim muss Betten abbauen

Schlager, Gerlinde: Pflegeheim muss Betten abbauen
Kronenzeitung, 25. 2. 2013, 19

Das Haus “Elisabeth” der Caritas sieht sich verstärkter Konkurrenz ausgesetzt: Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesundheits-News

Leserbrief zum Thema: KV-Abschluss für Pflege- und Sozialberufe

To: leser@kronenzeitung.at

Sehr bedauerlich, dass es für die Pflege- und Sozialberufe nicht mehr als 2,75% gibt. Ein anständiger Streik in einem Superwahljahr hätte die Frage mal anders gestellt. Angesicht der immer größer werdenden Gruppe von Pensionisten, die in den nächsten 20 Jahren zu Pflegefällen werden können, wäre bei entsprechender Solidarisierung von Pflegekräften und Betroffenen bzw. deren Angehörigen jede Regierung in die Knie zu zwingen. In Finnland hat sich im Wahljahr 2007 eine Lohnerhöhung von 24% durchbringen lassen. Und was Pflegekräfte wirklich leisten, das würde sich erst in einem Streik zeigen, der mindestens zwei Wochen dauert. Hätte man dann auch mit 2,75% abgeschlossen? Warum traut sich die Gewerkschaft nicht, einen Streik auszurufen?

Michaela Molnar

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Pflegekräfte: viel zu schlecht bezahlt

Offener Brief vom 22.1.2013 zu den Gehaltsverhandlungen für Pflegekräfte
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie ich erfahren habe, wollen die Arbeitgebervertretungen eine Lohnerhöhung für Pflegekräfte mit gerade einmal 1,8% abgelten. Die gewerkschaftlichen Forderungen sind natürlich, gemessen an dem, was Pflegekräfte tatsächlich leisten, ebenfalls zu niedrig angesetzt. Denn wie sich zeigt, haben vermutlich die, die am Verhandlungstisch sitzen, wenig Ahnung davon, was Pflege tatsächlich bedeutet.
Sie alle verdienen bestimmt mehr als 12€/ Stunde. Und Sie alle halten es für angemessen, dass das, was Pflegende (oder überhaupt Menschen in den Sozialberufen leisten) mit 12€ abgegolten wird.
Ich muss Sie kurz korrigieren und teile Ihnen mit, dass es würdelos ist, Pflegekräfte mit diesem Gehalt abspeisen zu wollen. Besonders schlimm trifft es die extramurale Pflege, die zwar alle ausbauen wollen, weil man weiß, dass immer noch 80% der Gepflegten zu Hause, von Angehörigen, in der Regel von Frauen, gepflegt werden. Und die, die das professionell machen – übrigens vorwiegend MigrantInnen – denen muss man ja nicht so viel bezahlen. Und die Umstände, unter denen man teilweise arbeiten muss, die sind eben dann auch wie irgendwo im “Osten”.
Sie wissen, dass es in Wien noch immer zahlreiche Wohnungen ohne Heizung gibt. Die Wohnungen werden mit offener Gasflamme geheizt, vom Gasherd. Sie wissen, dass es in  immer noch einigen Wohnungen kein warmes Wasser gibt, weil der Durchlauferhitzer kaputt ist (oder gar nicht vorhanden), und sich die betroffene Person keinen neuen leisten kann/will. Pflegekräfte müssen diese Person, die gerade mal Stuhl hatte, dennoch nach hygienischen Richtlinien reinigen. Kreativität ist also gefragt.
Beantworten Sie mir bitte folgende Fragen: Warum erhalten Pflegekräfte in der ambulanten Pflege weder adäquate Arbeitskleidung bzw. eine entsprechende Kleiderabgeltung für die winterlichen Temperaturen? (Klimazulage)?
Wie wäre es mit einer Zulage für die geteilten Dienste, die Mütter dazu zwingt, ihre Kinder abends und am Wochenende alleine zu lassen, weil  der Arbeitgeber auf solche “Kleinigkeiten” im Dienstplan keine Rücksicht nimmt. Die Zeit zwischen geteilten Diensten hat in der Regel mit Bereitschaftzeit abgegolten zu werden, denn an so einem Tag hat die betroffene Pflegekraft Null Freizeit.
Warum können sich die Vereine nicht darauf einigen, dass man Sprengelbetreuungen aufbaut, die den Pflegekräften ermöglicht, die betreute Person tatsächlich in den 15min Wegzeit zu erreichen – und nicht , wie es die Regel ist, die Leute quer durch Wien zu schicken? Und dafür müssen natürlich Wegzeiten bezahlt werden. Abgesehen davon, dass das unökonomisch ist, für die betroffene Arbeitskraft ist das zeitaufreibende Herumfahren auch anstrengend.
Wie ist es überhaupt möglich, diplomierte Pflegekräfte zu 90% für Pflegehelfertätigkeiten einzusetzen, obwohl es angeblich so einen Mangel an diplomierten Pflegekräften in der ambulanten Pflege gibt?
Warum macht nur der FSW in Wien MHKP? Eine DGKS eines Vereins wie Kleine Soziale Netze, Sozial Global, Volkshilfe etc. bieten dezidiert keine MHKP an, was zur Folge hat, dass es an Diplomierten dann mangelt. Denn wozu soll eine DGKS PH-Tätigkeiten ausführen, wenn sie ganz anderes kann? Schließlich muss der Verein aber ein DGKS-Gehalt zahlen, was zwar lächerlich gering ist, für die Verantwortung, die man trotz allem trägt, aber eigentlich ist es eine Verschwendung an öffentlichen Geldern, denn Pflegehelfer kämen billiger.
Und warum wird einfach an der Realität vorbeigeplant? Eine DGKS eines kleinen Vereins darf bei einer Klientin die Körperpflege ausführen und vielleicht auch noch Insulin spritzen, aber das sind alles Tätigkeiten, die ein/e PH durch Delegation auch ausüben darf. Hat die Klientin aber eine Wunde, z. B. einen vom KH mitgebrachten Dekubitus (was gar nicht so selten vorkommt), so darf diese Wunde nur von den mobilen Schwestern des FSW versorgt werden. Die Klientin zahlt dann übrigens (nach 28 Tagen) doppelt, denn sie zahlt den HKP-Verein, der die Körperpflege durchführt, und den FSW-Beitrag für die MHKP. Wenn die Klientin genug Geld hat, zahlt sie alles, hat sie nicht genug, zahlt die öffentliche Hand.
Ein wunderbares System, das ziemlich viel kostet, wie der beigelegte RH-Bericht zeigt.
Und ich hätte erwartet, dass Menschen, die mit soviel Geld jonglieren, auch ein entsprechendes Kostenbewusstsein an den Tag legen. Denn gute Pflege muss nicht mehr kosten, sondern sie muss in erster Linie gut organisiert sein.
Wie sich aber zeigt, haben die Gesundheits-/Pflegeverantwortlichen (es wäre schön, wenn alle Pflegekräfte, nämlich die im Gesundheits- und die im Pflegesektor gleich behandelt werden) nicht den blassesten Schimmer, wie gute Planung tatsächlich aussieht. Und es sollte nicht Aufgabe einer DGKS sein, Ihnen das sagen zu müssen. Sondern ich habe das Recht, unter optimalen Arbeitsbedingungen optimale Arbeit zu leisten. So erwarten Sie jedoch, dass Pflegekräfte unter unwürdigsten Arbeitsbedingungen und unterdurchschnittlicher Entlohnung (wie dies seit Jahren bekannt ist) trotzdem höchste Qualität liefern. Angesichts der demografischen Entwicklung frage ich Sie, wie das unter gegebenen Bedingungen weiterhin geschehen soll?
Übrigens: warum erhalten Pflegekräfte im mobilen Bereich nicht auch eine Geriatriezulage, obwohl 90% der von uns betreuten Personen Pflegefälle sind? Und wie ist es zu erklären, dass eine SEG-Zulage überhaupt nur 35% beträgt, und nicht, wie im stationären Sektor, doch um einiges mehr.
Abende und Wochenenden müssen besser entlohnt werden, schließlich muss auch die Kinderbetreuung bezahlt werden. Die tägliche Konfrontation mit Schmerz, Tod, Trauer, Alter, Arbeitsbedingungen, die die wenigsten, die im KH arbeiten, bereit sind, einzutauschen, sollte den mobilen Sektor weit besser entlohnen als es bisher der Fall war.
Im übrigen gilt der Bericht der Rechnungshofes: “Insgesamt ist die derzeitige Regelung der Pflege kaum dazu geeignet, den sich abzeichnenden demografischen Veränderungen gerecht zu werden. Es ist weder eine Gleichbehandlung der Betroffenen noch ein effizienter Ressourceneinsatz gesichert.”
In der Hoffnung, dass Sie sich der anstehenden Probleme dieses Landes wirklich annehmen und nicht nur hart arbeitenden (vorwiegend) Frauen wieder einmal ein Almosen anbieten verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen
Mag. Alexandra Prinz

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Offener Brief: kein Verhandlungserfolg für die Pflege muss Streik bedeuten!

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich verfolge die Nachrichten über die Maßnahmen der Gewerkschaft mit großem Interesse und möchte der Gewerkschaft meine Unterstützung – auch aus dem fernen Ausland – bezüglich Streik und Durchsetzung der Forderung im Pflege und Sozialbereich ausdrücklich zusichern. Eine Beschäftigung in der Pflege ist als qualifizierte Arbeitskraft reine Sklaverei und kann in Wien nur deswegen so ausgeübt werden, weil es genügend Angebot an Billigarbeitskräften aus dem Osten gibt, weswegen der Beruf für Österreicherinnen kaum attraktiv ist.  In den westlichen Bundesländern sowie in Skandinavien und in der Schweiz ist die Pflege wesentlich besser organisiert und es ist dem Staat offenbar auch ein Wert, in diese Bereiche zu investieren. Wien und ganz Österreich wird sich in absehbarer Zeit Gedanken machen müssen, wie die steigende Anzahl an Personen, die nicht in unpersönlichen Pflegeheimen, sondern zu Hause gepflegt werden wollen, auf höchstem Niveau versorgt werden sollen. In diese Bereiche muss investiert werden, da das Ergebnis nicht erfolgreicher Verhandlungen nur flächendeckenden Streik bedeuten kann. Erst dann wird ersichtlich, was die Arbeit der Pflege leistet. Denn offenbar ist es den Geldgebern, die auch einmal zu Pflegefällen werden können, heute noch egal, ob eine bettlägrige Person regelmäßig gelagert wird, Medikamente erhält, Verbände gewechselt werden, Ausscheidungen entfernt, Körperpflege durchgeführt, Essen gegeben u.s.w. und – was finanziell leider überhaupt nicht berücksichtigt wird – Ansprache erhält. Auf die besonderen Bedürfnisse und Erschwernisse in der Hauskrankenpflege muss in Kollektivvertragsverhandlungen gesondert Rücksicht genommen werden.

Ich erwarte eine angemessene Durchsetzung von Forderungen seitens der Gewerkschaft, die allen Beschäftigten im Gesundheits- und Sozialbereich gerecht werden, da auch Österreich vor der Herausforderung steht, wie die wachsende soziale Ungleichheit in Zukunft bewältigt werden kann und muss, wenn es eine Zukunft für jung und alt geben soll.

Mit freundlichen Grüßen
Mag. Alexandra Prinz

3 Kommentare

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Mehr als ich kann

Film über den Pflegealltag im Verborgenen

Davor ab 18:00 Besprechung der Gruppe “Solidarisch G’sund,
ab 18:30 Volxküche

Di, 7.2., Im Kreml, Villach, Ludwig Walter Straße 29

ein Film über den Pflegealltag im Verborgenen (45 Minuten)

von Herbert Link unter Mitarbeit von Bärbel Danneberg, Birgit Meinhard-Schiebel, Monika Wild

Ein Film, der einen Notstand und die damit verbundenen Grenzerfahrungen, wie Hilflosigkeit, Trauer und Wut, aber auch generationsübergreifende Neubestimmung von menschlichen Werten öffentlich machen will. Ein Film, der dazu beitragen soll, dass pflegende Angehörige sich als politisch relevante Gruppe empfinden und die verdiente Wertschätzung für ihre Betreuungsleistung erfahren.

Der Film entstand in Kooperation mit der Interessengemeinschaft pflegender Angehöriger

mit Unterstützung von ÖKSA und BMUKK

Anerkennungspreise im Rahmen von: Pflege- und Betreuungspreis 2011 der Volkshilfe Österreich, Gesundheitspreis der Stadt Wien 2011 im Bereich Medien/Öffentlichkeitsarbeit

  • Vor dem Film einleitende Worten von Karin Peuker
  • Nach dem Film Diskussion.

Weitere Infos hier

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Offener Brief an Dwora Stein (GPA-djp): Weit mehr Lohn für Pflege in den KV-Verhandlungen durchsetzen!

Sehr geehrte Frau Dr.Stein,

als diplomierte Krankenschwester im mobilen Dienst würde ich gerne wissen, wie die derzeitigen Kollektivvertragsverhandlungen für den Pflegebereich laufen. In Kenntnis verschiedenster Arbeitsverhältnisse sehe ich, dass die Pflege, insbesondere die mobile Hauskrankenpflege, ein extrem schlecht bezahlter Beruf ist. Glauben Sie, dass es zeitgemäß ist, Teilzeitarbeitsverhältnisse mit derartiger Verantwortung wie in der Pflege mit 1100€ netto zu vergelten? Bei der Verantwortung und der Schwerstarbeit, die in der Pflege geleistet wird und vor allem der Notwendigkeit, mit der dieser Beruf hinkünftig attraktiv gemacht werden sollte, kann man die derzeitige Situation in der Pflege nur als katastrophal bezeichnen. Pflege kann und darf aufgrund der hohen physischen und psychischen Beanspruchung nur als Teilzeitarbeit ausgeführt werden und muss – ähnlich wie der Lehrberuf – mit ausreichend Regenerationszeit sowie auch finanziell bewertet und bezahlt werden, um den Beruf dauerhaft ohne Gesundheitsschäden ausüben zu können.

Die Erschwerniszulage beträgt lt .BAGS- Kollektiv 35%  der Gesamtstundenanzahl, das sind bei 25h Teilzeit pro Stunde á 0,95€ gerade 35€. Sie glauben doch nicht im Ernst, dass damit die Erschwernis in der Pflege abgegolten wird? Wissen Sie, wieviel Männer an Erschwerniszulagen in vergleichbaren Arbeitsverhältnissen verdienen? Und dazu kommt noch, dass Pflegekräfte an Abenden, Wochenenden und Feiertags ständig zur Verfügung stehen und dabei gerade 60% Zuschlag erhalten. Eine Sekretärin, die am Wochenende  bzw Feiertag Arbeit leistet, bekommt dies zwischen 100 bzw. 200% abgegolten, weswegen tunlichst davon Abstand genommen wird. Da man Pflege jedoch nicht verschieben kann, wäre es höchst an der Zeit, diese anständig zu bezahlen, ansonsten der Mangel an inländischen hochqualifizierten Pflegekräften noch gravierender wird. Oder will man dezidiert nur noch zugewanderte PflegerInnen, da diese willig und leicht auzubeuten sind?

Hauskrankenpflege muss innerhalb der Pflege weit besser bewertet werden als dies bisher der Fall war. Vereinbarkeit von Beruf und Familie scheint in der Pflege bis dato überhaupt kein Thema zu sein, wenn man sich die Arbeitszeiten ansieht. Denken Sie manchmal daran, wie Alleinerziehende zurande kommen – bei diesen Arbeitszeiten, mit diesen Rahmenbedingungen, bei dieser Entlohnung?

Die regelmäßigen Wochenend- und Abenddienste  müssen weit besser entlohnt werden als dies bisher der Fall war wie auch eine Anhebung des Grundgehalts nach skandinavischem Vorbild durchgesetzt werden muss. Ebenfalls müssen diverse Zulagen, die speziell den Bereich Hauskrankenpflege betreffen, neu definiert werden (tägliche Abänderung der Einsatzpläne, Arbeiten ohne geringste Hilfsmittel, erhöhte kognitive Adaptionsleistung  an aktuelle Gegebenheiten zugunsten der zu betreuenden Person, Klimazulage, erhöhte Aufwands- und SEG-Zulage (keine Waschgelegenheiten in Wiener Wohnungen, keine Aufzüge in Wohnungen im 4.Stock, keine Dienstkleidung durch den Arbeitgeber, keine einheitliche Zeitaufzeichnung durch unterschiedliche Wegstrecken, Verkehrsaufkommen, Verkehrsmittelbenützung (Fußgänger, Fahrrad, Auto, Öffis), MOCA extrem intransparent etc)

Es wäre höchst an der Zeit, dass Sie sich als Frau im Namen der zahlreichen in der Pflege beschäftigten Frauen (mit Kindern) bei den Verhandlungen entsprechend durchsetzen, ansonsten die Zukunft der Pflege in Österreich von Seiten der ArbeitnehmerInnen gefährdet ist.

Im Ersuchen, dass Sie die o.g.Punkte in die Verhandlungen entsprechend einbringen und den BAGS-Kollektiv deutlich verbessern, wie Sie dies bei einer Tagung der GPA-djp im September selbst verlautbarten, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Mag. Michaela Molnar

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Patientenwaschgeschwindigkeit. Warum der Pflegeberuf unattraktiv ist – und was sich ändern müsste

In Österreich sind tausende Stellen im Pflegebereich unbesetzt. Die Ausbildung zur diplomierten Krankenschwester/Pfleger dauert drei Jahre und ist nach erfolgreicher Absolvierung des 10. Schuljahres möglich.  Obwohl der Arbeitsmarkt über Lehrstellenmangel klagt, sind die Schulen für Krankenpflege nicht immer ausgelastet. Die Pflege hat in Österreich einen äußerst schlechten Stellenwert. Ein Versuch, die Gründe für den kontinuierlichen Mangel an Pflegekräften aufzulisten.

von Alexandra Prinz Weiterlesen

3 Kommentare

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Offener Brief an die Gewerkschaft: Warum gibt es keine streikfähigen Gewerkschafterinnen mit Pflegeerfahrung?

Sehr geehrte Gewerkschaftsvertreter,

bedauerlicherweise gibt es kaum Frauen, die in dieser Sparte anzusprechen sind. Die vergangenen Kollektivvertragsverhandlungen bei den Metallern lassen darauf schließen, dass auch andere Sparten ein wenig höher als in den letzten Jahren abschneiden könnten. Als in der Hauskrankenpflege Beschäftigte erwarte ich selbstverständlich einen akzeptablen Abschluss, der dieser gesellschaftlich immer wichtiger werdenden Arbeit auch wirklich gerecht wird. Dass in dieser Branche vorwiegend Frauen tätig sind, sollte kein Kriterium sein, dass nicht anständige Lohnabschlüsse erzielt werden können. Sie werden mir recht geben, dass Teilzeitarbeit in dieser Branche aufgrund der ohnehin sehr unregelmässigen Dienstzeiten aufgrund der Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch nicht ausreichend finanziell honoriert wird.

Ganz bestimmt kann man mit einem Gehalt bei 25h, das etwas 1200€ ausmacht, eine Familie nicht ausreichend über die Runden bringen. Viele Beschäftigte sind Alleinerziehende. Die Arbeitszeitabrechnung über das Zeiterfassungsgerät MOCA, das meines Wissens hauptsächlich in der Hauskrankenpflege eingesetzt wird, führt letztlich zur finanziellen Besserstellung der Vereine, die die MitarbeiterInnen nach Minuten testen. Es gibt ein Ungleichgewicht zwischen KollegInnen, die die Wegzeiten mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß zurücklegen. Diese Unterschiede führen zu unterschiedlichen Wegzeiten, die letztendlich auch zu unterschiedlichen Zeitaufzeichnungen führen. Die Mitarbeiterinnen werden genau danach abgerechnet, obwohl sie auf diese Weise zu höchst unterschiedlichen Wegzeiten kommen- der FSW putzt sich ab und sagt, sie zahlen für alle 15 Minuten, die Vereine kassieren und die Mitarbeiterinnen werden auf diese Art und Weise ausgespielt.

Wenn MOCA flächendeckend eingeführt wird, warum dann nur in der Hauskrankenpflege und nicht bei PolitikerInnen, Angestellten im öffentlichen Dienst oder LehrerInnen? Wenn ich jede Minute bei einem Kunden rechtfertigen muss, so erwarte ich dies bei jedem Angestellten, der über öffentliche Gelder bezahlt wird. Das entspricht dem Gleichheitsgrundsatz.

Bauarbeiter erhalten jede Menge Zulagen sowie auch Mitarbeiter im öffentlichen Dienst. In der Pflege putzt man sich mit Sonn- und Feiertagszuschlägen von 60% ab bzw von Erschwerniszulagen von 36€ bei 35% der Gesamtarbeitszeit. Solche Regulierungen müssen neuverhandelt werden. Pflege ist Schwerstarbeit und hat entsprechend honoriert zu werden. Chefverhandler sollten Erfahrungen in der Pflege haben, und vor der Verhandlung einmal am besten 3Wochen Hauskrankenpflege absolvieren. Wieso sitzen am Verhandlungstisch keine Frauen mit Pflegeerfahrung?

Ich erwarte selbstverständlich, dass vor allem der Pflegebereich eine massive Anhebung des Grundgehalts ausverhandelt, sowie insbesondere die bekannten Erschwernisse in der mobilen Pflege entsprechend honoriert werden. Bei einer Stockung der Verhandlungen muss natürlich auch die Möglichkeit eines Streiks in der Pflege in Betracht gezogen werden, wie dies bei den Metallern auch gefruchtet hat.

Mit freundlichen Grüßen

Mag. DGKS Alexandra Prinz

1 Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Jeder dritte Altenpfleger hat Misshandlungen beobachtet

tob, DER STANDARD-Printausgabe, 28.6.2011

Demenzkranke sind besonders gefährdet – Die meisten Übergriffe passieren im privaten Umfeld

Weiterlesen

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Gesundheits-News

Die geprügelten Hunde des steirischen Pflegenotstands

oder: Streiken fördert Ihre Gesundheit

AK und Gewerkschaft orten ein massives Problem in der Pflege. Eine von AK Wien, AK NÖ und der Niederösterreichischen Ärztekammer in Auftrag gegebene Studie sieht rund ein Drittel der Gesundheitsbediensteten in Wien und NÖ durch Burn Out gefährdet. Das dürfte in der Steiermark nicht anders sein. Die nun trotz Protesten beschlossene 25%-Kürzung des steirischen Landesbudgets für Gesundheit, Soziales, Bildung und Kultur verschärft den Pflegenotstand. Streiken fördert Ihre Gesundheit.

von Andreas Exner Weiterlesen

4 Kommentare

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund