Schlagwort-Archive: Gleichheit

So G’sund-Workshop in Wien, 3.5.: „Gesundheit für Alle! Die strategische Rolle sozialer Gleichheit“

Der ÖIE Kärnten gestaltet einen Workshop mit dem Titel „Gesundheit für Alle! Die strategische Rolle sozialer Gleichheit“ im Rahmen des Zentral- und Osteuropäischen Sozial- und Umweltforums in Wien, 2.-5.Mai

Nähere Infos zum Sozial- und Umweltforum: http://www.sozialforum-asf.at/

Inhalt: Nach drei Jahrzehnten neoliberaler Verwüstungen ist das Gesundheitswesen nun auch von der Schuldenkrise des Kapitalismus bedroht. Die bereits extreme soziale Ungleichheit nimmt noch weiter zu. Dabei zeigt die Forschung, dass der allgemeine Gesundheitszustand einer Gesellschaft vor allem von sozialer Gleichheit abhängt. Der Workshop stellt wissenschaftliche Erkenntnisse dazu zur Debatte und zielt auf die Vernetzung von Interessierten sowie die Organisierung konkreter Aktionen zur Thematik „Gleichheit und Gesundheit“.

Literatur: http://www.mandelbaum.de/books/806/7458

Organisator: Andreas Exner, ÖIE Kärnten und Initiative „Solidarisch G’sund“ für ein öffentliches Gesundheitswesen.

Termin: Fr., 3.4., 16.00-17.30

Achtung: im ASF Programm steht 15.30 als Beginnzeit, das ist falsch

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

“Gesundheit für alle!” Solidarisch G’sund-Buch in Vorbereitung

Cover: Gesundheit für alle!Die Plattform “Solidarisch G’sund” arbeitet momentan an der Fertigstellung eines kritischen Einführungsbuches zu Gesundheitsthemen.

Hier der Klappentext:

Nach drei Jahrzehnten neoliberaler Verwüstungen ist das Gesundheitswesen nun auch von der Schuldenkrise des Kapitalismus bedroht. Die bereits extreme soziale Ungleichheit nimmt noch weiter zu. Dabei zeigt die Forschung, dass der allgemeine Gesundheitszustand einer Gesellschaft vor allem von sozialer Gleichheit abhängt. Das Buch erklärt wissenschaftliche Erkenntnisse dazu und zieht politische Schlussfolgerungen – gegen die Mythen in der Gesundheitsdebatte. Die Dominanz der Pharmakonzerne, die aus Gesundheit eine Ware machen, wird kritisch beleuchtet, ebenso wie die Problematik der interventionistischen Geburtshilfe und die neoliberale Veränderung der Psychiatrie. Das Buch stellt die Grundlinien des Gesundheitswesens in Deutschland und Österreich dar und beschreibt die Folgen der Privatisierung und Kommerzialisierung. Zugleich geht es darum, wie sich Menschen dagegen wehren: von Streiks in Deutschland bis zu Krankenhausbesetzungen in Griechenland.
»Gesundheit für Alle« plädiert für eine solidarische Ökonomie mit umfassenden Versicherungsleistungen und schlägt Strategien vor, die auf der Erfahrung von sozialen Kämpfen basieren: von der Etablierung der Sozialversicherungen bis zu Beispielen solidarischer Ökonomien und Gesundheitsbewegungen.

Erscheint im Frühjahr 2013

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Franz Nöstlinger: ein Aufrechter, der seinen Weg ging

Der Nachruf auf den im Sommer letzten Jahres verstorbenen Weggefährten Franz Nöstlinger wird nun auf der Solidarisch G’sund-Website nachgetragen. Franz kämpfte für soziale Gleichheit und machte sie zu seinem wissenschaftlichen Kernthema. Er war Aktivist der Plattform “Solidarisch G’sund”. Wir hoffen, dass wir in seinem Sinne weiterwirken können. Die Verabschiedung von Franz Nöstlinger fand am 7. September 2012 in St. Veit an der Glan statt.

von Andreas Exner [zuerst erschienen auf www.social-innovation.org, 20.8.2012]

Er war mir nicht sehr gut bekannt, und dennoch nahe: Franz Nöstlinger, der am 17. August an den Folgen eines Krebsleidens in Klagenfurt verstorben ist. Franz lernte ich vor vielen Jahren in Kärnten, wo ich einige Jahre lebte, kennen. Wenig weiß ich von diesem Mann an Persönlichem, der für mich gleichwohl ein Fixpunkt der linken Szene in Kärnten war. Zwar hatten wir uns einige Male durchaus im Persönlichen getroffen, doch drehten sich die Gespräche mehr um das Politische, wie es so oft die schlechte Angewohnheit ist in solchen Beziehungen.

Was ich von ihm wusste, nahm mich allerdings für ihn ein.

Wiederholt ist mir in den Sinn gekommen, wie er, der leidenschaftliche Wanderer, einmal im Wirtshaus mir gegenüber da saß und beiläufig, aber mit einem Gewicht in der Stimme, die alles sagte, was nicht ausgesprochen wurde im typischen Kärntner Dialekt bemerkte: “Auf die Berg, do is ma no frei, sunst gibts jo ka Freiheit mea.”

Das meinte er aus tiefstem Herzen. Die scheinbare, für ihn jedoch fast allerorts zu fühlende Totalität der kapitalistischen Gesellschaft, das Bedrückende, das sie ausmacht, schien ihm nur auf den Gipfeln der Berge aufgehoben, weggeblasen vielleicht vom Wind, entfernt durch die Makellosigkeit der Natur. Was für Adorno die Kunst, war Franz Nöstlinger der Berg.

Der Kärntner Dialekt, der die Worte dehnt und in ein eigentümliches Gleiten versetzt, bekam, wenn Franz ihn sprach, einen stolpernden, fast schon gehetzten Ausdruck. Was für ein Schicksal hat sich darin geäußert? Es muss ein schweres gewesen sein, das dachte ich mir oft, wenn ich ihn sah. Franz Nöstlinger war ein bedrückter Mensch, eine große Last schien auf ihm zu liegen, ein Gift in ihm zu fressen, eine fremde Schwerkraft schien ihn an den Rand zu drängen. Er war nicht selten zornig, konnte ungehobelt sein und distanziert. Doch konnte er genauso gut lächeln wie ein Bub und ich erlebte ihn ebenso oft charmant und zuvorkommend. Er war ein Stiller, kein Redner. Jemand, der sich in sozialen Zusammenhängen, in Beziehungen, nicht wirklich zurecht fand, und darunter arg gelitten haben musste. Dennoch berührte mich sein Wesen, vielleicht weil ich mich ein Stück weit in ihm erkannte.

Längere Zeit an der Universität tätig, habilitierte sich Franz Nöstlinger mit einer theoretisch-empirischen Arbeit zur sozialen Ungleichheit in Kärnten, wobei er den Schwerpunkt auf die Situation von Frauen legte. Dies ist einigermaßen ungewöhnlich. Anders als so vielen linken Männern seiner Generation stand ihm die patriarchale Unterdrückung im Zentrum seines Interesses. Seine Verbundenheit mit diesem Thema, ich weiß nicht, woher sie rührte, ließ ihn sogar die Mühen einer Lehrveranstaltung an der Universität Klagenfurt in Kauf nehmen – und den Hohn der Studierenden, die sich über seine Erscheinung und seinen Vortragsstil belustigten, mit Ärger, ertragen. Er, der den überall vorherrschenden postmodernen Feminismus – als Mann – wegen seiner Kapitalismus- und Marktaffirmation kritisierte, beantragte und hielt eine Lehrveranstaltung am Zentrum für Frauen- und Geschlechterstudien der Universität Klagenfurt, wo gerade dieser Feminismus, trotz mancher Widerstandsnester, dominiert.

Er hatte, wie er mir erzählte, an der Universität schlicht den Anschluss an den Zug der Zeit verloren. In den 1970er Jahren mit ihrer allgemeinen Linkstendenz im akademischen Milieu sozialisiert, trat für ihn eine Karriere mit fortschreitendem Neoliberalismus, noch verschärft durch seine persönlichen Eigenheiten, in unerreichbare Ferne.

Der Habilitierung folgte daher kein fixes Engagement im universitären Rahmen, an ihre Stelle war schon zuvor eine Tätigkeit im Amt der Kärntner Landesregierung getreten. Ich erinnere mich noch der überraschten Frage eines Bekannten, welcher komische oder verwegene Kauz da wohl in diesem Hort des Bösen säße, der sich nach seinem unschwer als linksradikales Werk erkennbaren Buch unter ungenierter Benutzung seiner beruflichen Emailadresse erkundigte. Er nahm mich einmal mit in die gelblichen, tot wirkenden Stiegenhäuser und Zimmerfluchten des Verwaltungsgebäudes, in dem er tätig gewesen war. Ich spürte eine Art von Erschrecken ob der Verließ gewordenen Bürokratie und fühlte mit ihm, dem absoluten Außenseiter mit.

Franz Nöstlinger war das, was die Leute gemeinhin verschroben nennen, entsetzlich einsam, wie ich glaube, in seiner Lebensweise fast misanthropisch. Doch es leuchtete aus ihm ein gutes Herz, klar und deutlich, wenn man sich nicht von den Oberflächlichkeiten des alltäglichen Verkehrs blenden ließ. Ein Herz, das der Sache der Befreiung unumstößlich treu war, so sehr er selbst sich der Befreiung Lichtjahre fern fühlen musste, schon ganz allein aufgrund der Lebensumstände, die ihn, so bin ich sicher, zu dem gemacht hatten, der er war.

Darin ist Franz Nöstlinger ein Vorbild für uns alle.

In allen von uns lagern sich im Lauf unseres Lebens Schmerz und Leid an, strukturell, denn das ist dieser Gesellschaft eingeschrieben: bei manchem mehr, bei anderen weniger. Bei Franz war es viel Schmerz, viel Leid. Er aber mutierte nicht zum Rechtsextremen, er suchte nicht sein Leiden durch das Einprügeln auf die Schwächeren zu verdecken, zu vergessen, was nicht nur, aber auch in Kärnten leicht ist. Nein, er gestand sein Leiden vielmehr ein und solidarisierte sich mit den Unterdrückten. Er ist ein Vorbild, weil er zeigt, dass eigener Schmerz nicht legitimiert, anderen Schmerz zuzufügen oder den Schmerz, den diese Gesellschaft verursacht, gutzuheißen.

Wertkritische Strömungen betrachtete Franz vermutlich nur mit lockerer Sympathie. Zu sehr war in ihm der Pragmatiker am Wort, so denke ich, der sich an der sozialen Ungleichheit empörte, den Schmerz der Zurücksetzung der Vielen als eine Zumutung empfand und als eine strukturelle Konsequenz des Kapitalismus skandalisierte. Doch war er nicht sozialdemokratisch borniert. Franz unterstützte das, was er wohl als “die Linke” betrachtet hat, vorbehaltlos und mit offenem Geist: alle jene, die dem, was ihm jenseits der Berge die Luft zum Atmen nahm – und so vielen anderen, wie er mit statistischer Genauigkeit wusste – ein Ende bereiten wollen und damit einer besseren Gesellschaft den Anfang.

Er war einer, der, wie er mir erzählte, alle linken Zeitschriften, die von der Universitätsbibliothek Klagenfurt im Laufe der Jahre sukzessive abbestellt worden waren, auf eigene Rechnung weiter abonnierte. Er war einer, der Neues freudig aufnahm, sofern es ihm für eine Bewegung der Befreiung dienlich schien, die er selbst, wie ich glaube, nicht konstatiert hätte. Ich erinnere mich noch an seine Begeisterung, als er die Zeitschrift “Grundrisse” kennenlernte und an seine Achtung vor den Menschen, die sich in solchen Projekten engagieren.

Er war unter anderem Mitglied des Beirats des Kärntner Armutsnetzwerks, ein aktives Mitglied der Plattform “Solidarisch G’sund” und ein regelmäßiger Besucher der Veranstaltungen von Kärnöl. Er unterstützte die Forderung nach einem Bedingungslosen Grundeinkommen und trat ein für eine Gesellschaft, worin gilt: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.

Franz Nöstlinger ist für mich auch ein Mensch, an dem und mit dem ich Einiges versäumte. Und dies schmerzt. Er nämlich war einer, der aktive Zuwendung brauchte, weil er selbst so schwer aus sich heraus konnte. Wenn er zu einer Veranstaltung kam, und das tat er regelmäßig, dann war dies nicht nur Interesse, das ihn zweifellos zuvorderst motivierte, sondern wie bei den meisten Menschen auch die Suche nach einer Art der Berührung, des persönlichen Gesprächs. Anders als Walther Schütz, den er kannte und schätzte, ging ich darauf zu wenig ein.

Franz Nöstlinger war ein Weggefährte, und ich trauere um ihn.

In “Gegenwart und Zukunft der Frauenarbeit“, einem Artikel, der 2005 auf der Website der Gruppe Kärnöl erschienen ist, legt Franz Nöstlinger seine Analyse der neoliberalen Veränderung der Kapitalverwertung und des Stellenwerts wie der für eine gesellschaftliche Befreiung essenziellen Zielrichtung feministischer Kritik dar.

 

Hinterlasse einen Kommentar

01/12/2013 · 19:23

Solidarisch G‘sund: Plattform für ein öffentliches Gesundheitswesen

ursprünglich erschienen in “Contraste”, Nov. 2012

Seit die Welthandelsorganisation WTO die Gesundheit zum neuen Markt erklärt hat, steht sie unter Beschuss. Die immer schärfere Diktatur des Marktes hat noch eine zweite Front: die Behauptung, der Staat könnte sich unsere Gesundheit nicht mehr leisten. Tatsächlich haben Kapitalgewinne, Spitzeneinkommen und große Vermögen jedoch gerade in der Krise weiter zugenommen – zulasten der Lohnabhängigen. Dabei haben Richard Wilkinson und Kate Pickett in dem Buch „The Spirit Level. Why Equality is Better for Everyone“, erschienen 2009 bei Penguin Books, gezeigt: In den Industrieländern verursacht vor allem die Einkommensungleichheit Krankheiten. Es ist nicht das absolute Reichtumsniveau, das zählt. Es kommt auf die Gleichheit der Einkommen an.

Die Einnahmesituation jedoch ist nur eine Komponente. Ganz unabhängig von ihr gibt es genügend Spitäler, Medikamente und Geräte oder die Möglichkeiten, sie zu produzieren, sowie das Wissen, um weltweit ein öffentliches Gesundheitswesen zu organisieren. Die Kriterien des Kapitalismus, Finanzierbarkeit und Konkurrenzfähigkeit, stehen dem allerdings entgegen. Dabei hält auch der von fast allen Staaten der Welt, darunter Österreich, unterzeichnete UN-Sozialpakt fest, dass das Recht auf Gesundheit unter maximalem Einsatz aller physischen – im Unterschied zu den monetären – Ressourcen zu wahren ist und nicht von wirtschaftlichem Wachstum abhängig gemacht werden darf.

Das ist der Hintergrund der Initiative „Solidarisch G’sund“. Der konkrete Anlass der Gründung 2010 war die schleichende Privatisierung des Landeskrankenhauses Klagenfurt in Kärnten (Österreich). Eine Gesetzesnovelle führte zu einer Protestaktion der Gewerkschaft und zur Bildung der Initiative durch eine Gruppe von Krankenhausangestellten und politischen AktivistInnen.

Bald hatte die Gruppe unter Feedback von Public Health-ExpertInnen, MedizinerInnen, GewerkschafterInnen und GesundheitsjournalistInnen ein Basispapier verfasst, das Gesundheit in einen gesellschaftlichen Kontext stellt. Es geht demnach sowohl um ein öffentliches Gesundheitswesen als auch um eine Überwindung des krankmachenden Kapitalismus, hin zu einer Solidarischen Ökonomie.

Mehr als 330 Einzelpersonen und mehrere Organisationen unterstützen die Forderungen, darunter die Landesorganisation Kärnten des österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Attac, die Katholische Sozialakademie, der Verein SOL (Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil) und das Kärntner Armutsnetzwerk. Der Facebook Account „Solidarisch G’sund“ zählt heute mehr als 4.300 friends und der Weblog bietet regelmäßige News aus dem Gesundheitsbereich und eigene Artikel.

„Solidarisch G’sund“ organisierte 2011 eine wichtige Veranstaltung in Kärnten, an der mehrere Gewerkschaftsaktive teilnahmen, die Streiks im Gesundheitswesen organisiert hatten. Vielleicht inspirierte dies die Plattform 25 in der Steiermark zu einer ähnlichen Veranstaltung im Jahr darauf und den ÖGB Kärnten, gegen Verschlechterungen im Landeskrankenhaus Wolfsberg mit Streik zu drohen.

„Solidarisch G’sund“ ist inzwischen die lokale Gruppe des Equality Trust in Österreich, der von Richard Wilkinson, Kate Pickett und anderen gegründet wurde, um die gesundheitsschädliche soziale Ungleichheit zurückzudrängen. Der Equality Trust hat sich die Verbreitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse von Richard Wilkinson und Kate Pickett zum Ziel gesetzt und engagiert sich für die Zunahme sozialer Gleichheit unter Berücksichtigung der Tatsache, dass Wirtschaftswachstum aus ökologischen Gründen keine Lösung für soziale oder gesundheitliche Probleme in den reichen Ländern sein kann. Hier bleibt noch sehr viel zu tun.

Anstatt etwa die Ursachen für die zunehmende Fettleibigkeit anzugehen, nämlich soziale Gleichheit zu fördern, wird zum Beispiel auch in Österreich eine so genannte Fettsteuer diskutiert. Und die Privatisierung schreitet voran.

Das aktuelle Projekt von „Solidarisch G’sund“ ist ein Buch zum Thema Gesundheit aus emanzipatorischer Sicht unter Beteiligung von KollegInnen aus Deutschland. Darin wird für eine Solidarische Ökonomie der Gemeingüter anstelle des krankmachenden Kapitalismus und seines immer schlechteren „Gesundheitssystems“ argumentiert.

Weblog und Kontakt: http://solidarischgsund.org / solidarischgsund@hotmail.com

Wer die Forderungen von Solidarisch G’sund unterstützen will, kann das hier tun: http://www.ipetitions.com/petition/solidarischgsund/

 

 

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Die Kärntner Gesundheitscharta – ausgemauschelt, undemokratisch und ein künftiges Feigenblatt

von Christina Lobnig und Andreas Exner

Ein gemeinsames Papier der Kärntner Landtagsparteien namens “Gesundheitscharta” soll die Zukunft des Gesundheitswesens in Kärnten sichern. Was ist davon zu halten? Nicht viel Gutes, meinen Christina Lobnig und Andreas Exner von der Plattform für ein öffentliches Gesundheitwesen “Solidarisch G’sund”.

Weiterlesen

1 Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Solidarisch G’sund: Lokale Gleichheits-Gruppe des Equality Trust

Solidarisch G’sund ist nun offiziell eine Lokale Gleichheits-Gruppe der internationalen Plattform Equality Trust. Deshalb ist nun das Logo des Equality Trust rechts oben auf unserem Weblog zu sehen. Auf die Website des Trust gelangt man rasch, indem man auf den Schriftzug unter dem Logo klickt.

Der Equality Trust setzt sich die Verbreitung der wissenschaftlichen Erkenntnisse von Richard Wilkinson und Kate Pickett zum Ziel. Sie haben auf der Basis von Arbeiten vieler weiterer Forscherinnen und Forscher und mit eigenen Untersuchungen nachgewiesen, dass – zumindest in reichen Ländern – vor allem die soziale Gleichheit über unseren Gesundheitszustand und unser Wohlbefinden bestimmt. Das durchschnittliche Einkommensniveau ist dagegen unwichtig, das heißt, es ist ohne Bedeutung, wieviel die Wirtschaft insgesamt produziert.

Die Abbildung zeigt den Zusammenhang zwischen Einkommensgleichheit und einem Wohlstandsindex. Je gleicher ein Land, desto besser geht es den Menschen. Dagegen hängen Gesundheit und Wohlstand nicht vom durchschnittlichen Einkommen in einem Land ab.

Zweitens engagiert sich der Equality Trust für eine Zunahme sozialer Gleichheit und damit des Wohlstands. Wilkinson und Pickett sehen vor allem in Solidarischer Ökonomie, das heißt von Betrieben in demokratischem Belegschaftseigentum die Lösung. Dort entsteht ja die Einkommensverteilung, die immer schiefer wird. Und dort sind wir am sichtbarsten einer sozialen Hierarchie ausgesetzt, die unserer Gesundheit schadet.

Drittens betont der Equality Trust, dass Wirtschaftswachstum auch aus ökologischen Gründen keine Lösung für zunehmende gesundheitliche und soziale Probleme in den reichen Ländern ist. Deshalb argumentieren Wilkinson und Pickett auch für eine zunehmende Demonetarisierung, das heißt, dass Güter wenn möglich kostenlos, also öffentlich zur Verfügung gestellt werden sollten. Bei Software und Kulturprodukten wäre das am einfachsten zu organisieren.

Solidarisch G’sund möchte diese Erkenntnisse in Österreich bekannter machen und lädt dazu ein, themenspezifische Allianzen aufzubauen.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Equality Trust – Warum mehr Gleichheit gesund macht

Vortrag von Andreas Exner

Dienstag, 13. März 2012, 19.00 Uhr

Volkshaus/Ljudski dom, Klagenfurt/Celovec

Infos hier

Die üblichen Bilder suggerieren, dass wir unsere Gesundheit in der Hand haben. Das ist falsch. Tatsächlich ist die Gesundheit vor allem der Effekt sozialer Verhältnisse.

Dass Armut Menschen krank macht, ist bekannt. Wenig bekannt ist allerdings, dass dafür nicht der materielle Lebensstandard den Ausschlag gibt. Das absolute Einkommensniveau einer Gesellschaft (oder einer sozialen Schichte) ist für die Gesundheit gleichgültig.

Krank macht lediglich die Ungleichheit. Das zeigt sich etwa schlagend am Beispiel der Fettleibigkeit. Je ungleicher die Einkommen in einer Gesellschaft sind, desto höher der Prozentsatz der fettleibigen Menschen.

Das gilt auch für sehr viele andere Indikatoren des Gesundheitszustands der Menschen und ihres Wohlbefindens. Fasst man diese Indikatoren in einem Index zusammen, zeigt sich deutlich, dass nicht das absolute Einkommensniveau, sondern nur die Gleichheit der Einkommen für ein gutes Leben entscheidend ist. Je ungleicher die soziale Lage der Menschen einer Gesellschaft, desto höher das Stressniveau – vor allem bei den Armen, aber auch bei den Reichen. Dauerstress verkürzt die Lebenserwartung, beschädigt das Vertrauen in die Gesellschaft und beeinflusst die Gesundheit negativ.

Gleichheit macht gesund und glücklich.

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Gleichheit – Schlüssel zum guten Leben?

von Andreas Exner

[via Volksstimme, Nr. 45, Februar 2012]

Die Professoren Subramanian und Kawachi befassen sich mit Fragen der öffentlichen Gesundheit. Was sie erforschen, vergleichen sie mit einem Giftstoff. Ein eigentümlicher Stoff, in der Tat. Mit chemischen Methoden ist er nicht zu messen. Doch sind seine Auswirkungen auf den Menschen umso eindeutiger. Der Giftstoff lautet Ungleichheit. Nicht allein sie stießen bei der Erforschung der Bestimmungsfaktoren menschlicher Krankheiten, der Epidemiologie, auf den Kapitalismus. Weiterlesen

2 Kommentare

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

Warum Gleichheit gesünder macht

Beim 1. Treffen von “Solidarisch G’sund” in Wien gab es einen Input von Andreas Exner zu Gleichheit und Gesundheit. Hier stehen die Folien der Präsentation zum Download bereit. Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung.

Die üblichen Bilder von Gesundheit suggerieren, dass wir unsere Gesundheit in der Hand haben.

Das ist allerdings falsch. Tatsächlich ist die Gesundheit vor allem der Effekt sozialer Verhältnisse. Die Abhängigkeit der Lebenserwartung vom Einkommensniveau etwa in England und Wales zeigt das schlagend.

Dass Armut Menschen krank macht, ist bekannt. Wenig bekannt ist allerdings, dass dafür nicht der materielle Lebensstandard den Ausschlag gibt. Das absolute Einkommensniveau einer Gesellschaft (oder einer sozialen Schichte) ist für die Gesundheit gleichgültig.

Krank macht lediglich die Ungleichheit. Das zeigt sich etwa schlagend am Beispiel der Fettleibigkeit. Je ungleicher die Einkommen in einer Gesellschaft sind, desto höher der Prozentsatz der fettleibigen Menschen.Das gilt auch für sehr viele andere Indikatoren des Gesundheitszustands der Menschen und ihres Wohlbefindens. Fasst man diese Indikatoren in einem Index zusammen, zeigt sich deutlich, dass nicht das absolute Einkommensniveau, sondern nur die Gleichheit der Einkommen für ein gutes Leben entscheidend ist. Mehr als 200 experimentelle Studien haben gezeigt, dass der Stressfaktor Nr. 1 die Angst vor Statusverlust ist. Je ungleicher die soziale Lage der Menschen einer Gesellschaft, desto höher das Stressniveau – vor allem bei den Armen, aber auch bei den Reichen. Dauerstress verkürzt die Lebenserwartung, beschädigt das Vertrauen in die Gesellschaft und beeinflusst die Gesundheit negativ.

Zugleich hängen Wohlstand und Gesundheit keineswegs von hohen CO2-Emissionen ab. Diese müssen sogar deutlich sinken, um weiteren Klimawandel zu verhindern. Momentan erreicht jedoch allein Kuba (roter Punkt in der Abbildung unten) einen hohen Lebensstandard (alle Länder links der blauen, vertikalen Linie) mit geringem ökologischem Fußabdruck (alle Länder unterhalb der orangen, horizontalen Linie), wie eine Studie des WWF ergibt.

Was folgt daraus?

1. Gleichheit ist die lang gesuchte “Wunderwaffe”, die “magic bullet”: Erhöhen wir die Statusgleichheit, lösen wir viele Probleme auf einmal

2. Mehr Gleichheit tut auch den Reicheren gut. Zwar nützt eine ausgeglichenere Einkommensverteilung vor allem den Ärmeren, jedoch steigen auch Wohlbefinden und Lebenserwartung der Reicheren mit zunehmender Einkommensgleichheit

3. Wir müssen die kapitalistische Wirtschaft schrumpfen – und das geht ohne Einbußen bei Wohlbefinden und Gesundheit

4. Gleichheit beginnt am Arbeitsplatz. Die Gleichheit der Einkommen steigt, wenn wir die Wirtschaft in eine Solidarische Ökonomie transformieren. In Solidarischen Ökonomien sind alle Arbeitenden gleich. Alle Tätigen bestimmen gleichermaßen über das Unternehmen mit. Beispiele dafür sind der Genossenschaftskomplex Mondragon, die genossenschaftliche Regionalökonomie in der Emilia Romagna oder der Solidarökonomiesektor in Brasilien.

5. Da immer mehr Güter fast kostenlos reproduziert werden können, ist eine Demonetarisierung angesagt. Gleicher Zugang unabhängig vom Einkommen vor allem im Bereich von Informations- und Kulturgütern und im Internet ist notwendig.

Gleichheit macht gesund und glücklich

Mehr Infos auf der Website des Equality Trust. “Solidarisch G’sund” ist eine lokale Gruppe des Equality Trust.

1 Kommentar

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

1. Wiener Treffen „Solidarisch G‘sund“, 26.1., Amerlinghaus – die Plattform für ein öffentliches Gesundheitswesen!

Unfinanzierbarkeit, Pflegenotstand, Überalterung, Kürzungen aufgrund der Schuldenkrise … Negativschlagzeilen umzingeln uns. Wir brauchen einen Weg ins Freie:  Gleichheit, eine Solidarische Ökonomie und ein öffentliches Gesundheitswesen.

von Andreas Exner Weiterlesen

3 Kommentare

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund