1. Wiener Treffen „Solidarisch G‘sund“, 26.1., Amerlinghaus – die Plattform für ein öffentliches Gesundheitswesen!

Unfinanzierbarkeit, Pflegenotstand, Überalterung, Kürzungen aufgrund der Schuldenkrise … Negativschlagzeilen umzingeln uns. Wir brauchen einen Weg ins Freie:  Gleichheit, eine Solidarische Ökonomie und ein öffentliches Gesundheitswesen.

von Andreas Exner

Seit die Welthandelsorganisation WTO die Gesundheit zum neuen Markt erklärt hat, steht sie unter Beschuss. Um 2003 hat deshalb unter anderem in der EU eine breite Koalition verschiedener Gruppen Widerstand organisiert, in Österreich etwa mit Gewerkschaftsbund, die ÖH, attac und dem Armutsnetzwerk. Der Erfolg: die Umsetzung des bereits 1995 beschlossenen GATS-Abkommens der WTO ist bislang blockiert. Auf der Ebene der EU-Dienstleistungsrichtlinie geht die Liberalisierung allerdings beinahe ungebremst weiter.

Die immer schärfere Diktatur des Marktes hat noch eine zweite Front: die Behauptung, der Staat könnte sich unsere Gesundheit nicht mehr leisten. Man müsse öffentliche Leistungen deshalb kürzen und notwendige Gesundheitsdienste eben selbst bezahlen. Tatsächlich haben Kapitalgewinne, Spitzeneinkommen und große Vermögen jedoch gerade in der Krise weiter zugenommen. Man könnte die notwendigen Einnahmen also lukrieren. Stattdessen aber verschuldet sich der Staat zugunsten der Reichen. Dafür zahlen sollen die Lohnabhängigen.

Gesundheit für alle ist problemlos möglich

Doch selbst wenn der Geldreichtum in der Krise abschmelzen sollte, sind keine Kürzungen im öffentlichen Gesundheitswesen nötig. Denn alle Güter und Dienstleistungen, alles Wissen für ein gutes Gesundheitswesen sind vorhanden. Man muss diese Ressourcen nur einsetzen und darf sich nicht an das lebensgefährliche Dogma der Finanzierbarkeit ketten. Sogar Kuba kann ein hochentwickeltes Gesundheitswesen organisieren, trotz geringer technologischer Mittel, sehr wenig Geld und einer jahrzehntelangen Blockade durch die USA. In Kuba beträgt das Volkseinkommen pro Kopf weniger als 10.000 US-Dollar, in den USA dagegen mehr als das Vierfache, nämlich über 40.000 US-Dollar. Die durchschnittliche Lebenserwartung ist jedoch in beiden Ländern gleich. Warum also sollte man in Österreich das Gesundheitswesen einschränken müssen?

Es gibt nur einen einzigen Grund: die Reichen sollen noch reicher werden.

Dabei schädigt gerade die große Einkommensungleichheit, die immer weiter wächst, unsere Gesundheit am allermeisten, und zwar auch die der Reichen. Richard Wilkinson und Kate Pickett haben gezeigt: In reichen Ländern verursacht vor allem die Einkommensungleichheit Krankheiten. Sie führt zu einer Reihe sozialer Missstände und senkt den Wohlstand. Denn es ist nicht das absolute Reichtumsniveau, das für die öffentliche Gesundheit zählt. Es kommt nur auf die Gleichheit der Einkommen an. Mehr Gleichheit nutzt dabei ebenso den Reicheren, auch ihre Lebenserwartung steigt mit wachsender Gleichheit. Ungleichheit beeinträchtigt nicht nur die Armen, sondern alle Menschen einer Gesellschaft.

Der Grund für die gesundheitsschädlichen Wirkungen der Einkommensungleichheit ist der Stress der Konkurrenz. Je mehr die Einkommen auseinander gehen, desto größer wird die Konkurrenz um soziale Anerkennung, um den Status. Und die erzeugt einen buchstäblich mörderischen Stress, mehr Stress als jede andere Belastung, der Menschen ausgesetzt sind. Der Dauerstress der Statuskonkurrenz schadet unserer Gesundheit enorm.

Menschen in Ländern mit einer größeren Einkommensungleichheit sterben deshalb früher, sind häufiger übergewichtig und fettleibig, häufiger psychisch krank, weniger vertrauensvoll, weniger gebildet und sitzen häufiger im Gefängnis – um nur einige Beispiele zu nennen – als Menschen in Ländern mit einer größeren Gleichheit der Einkommen. Die Abbildung zeigt, wie eng Wohlstand mit der Einkommens- und Statusgleichheit zusammenhängt.

Schritte zur Gleichheit: Solidarische Ökonomie, weniger Markt

Aufklärung tut also Not, sie steht am Beginn eines Wegs zu Gleichheit und Gesundheit für alle. Doch wird das Wissen um die positiven Effekte der Gleichheit nicht ausreichen. Es geht um einen sozialen Wandel zu Gleichheit in allen Lebensbereichen, zuerst und vor allem in der Arbeit. Denn in einer herkömmlichen Firma herrscht die Ungleichheit, dort liegt jene Wurzel, die ihre giftigen Triebe dann überall in die Gesellschaft schiebt. Die Angestellten sind der Geschäftsführung weisungsgebunden, das Management befehligt die Belegschaft, die Hierarchie der unterschiedlichen Berufs- und Einkommensgruppen prägt den Arbeitsalltag.

Dabei zeigen Studien, dass der Gesundheitszustand von Menschen in Kooperativen besser ist. Dort gehört alles allen gleichermaßen, alle Gebäude, Geräte, die ganze Firma. Entscheidungen werden in Kooperativen gemeinsam getroffen und das Management wird von der Belegschaft gewählt (sofern eines nötig ist). Viele Schritte zu einer solchen Solidarischen Ökonomie der Kooperativen ist möglich: Betriebe in Belegschaftshand sind ihr Ziel. Und es gibt viele Beispiele für erfolgreiche Kooperativen in aller Welt, von der Solidarischen Ökonomie Brasiliens bis zur baskischen Mega-Kooperative Mondragon oder genossenschaftlichen Regionalökonomien wie in der italienischen Emilia Romagna.

Einer Solidarischen Ökonomie würde eine Zurückdrängung des Marktes helfen. Beginnen könnte man bei Software und Kulturgütern. Sie sind ja praktisch kostenlos zu vervielfältigen und Menschen stellen sie zumeist nicht vorrangig wegen des Geldeinkommens her, sondern weil sie Freude daran haben. Es gibt also keinen Grund, dafür bezahlen zu müssen und den ungleichen Zugang zu Software und Kulturgütern krampfhaft aufrecht zu erhalten.

Ebenso wichtig ist freilich der Ausbau öffentlicher Strukturen im Gesundheitswesen. Warum etwa ist unser Hausarztwesen immer noch privatisiert? Warum haben die Pharmalobbies das letzte Wort, wenn es um unsere Medikamente geht? Warum können sie über den Preis medizinischer Geräte allein bestimmen und so die Kosten in die Höhe treiben? Warum führen viele Ärzte ein Doppelleben mit öffentlichen und privaten Einkünften, wo doch wir alle für ihre Ausbildung und die Spitäler aufkommen, wo sie ihre Privatpatienten gewinnen? Warum gibt es eine Zwei- und Drei-Klassen-Medizin, wenn Gleichheit doch so viel besser für uns alle ist? Warum müssen wir immer noch unsere Brillen, einen Teil unserer Zahnbehandlungen und andere Heilbehelfe selbst bezahlen, warum wird die Solidarität hier unterbunden? Wozu individualisierte Selbstbehalte, wo doch Gleichheit das Gebot der Stunde ist?

Weil es all diese Missstände gibt, gibt es „Solidarisch G’sund“. Wir setzen uns für Gleichheit und ein öffentliches Gesundheitswesen ein.

Unsere Unterstützungserklärung lautet:

Das österreichische Gesundheitswesen ist effizient und kostengünstig – anders als private Systeme wie in den USA. Das ist ein Erfolg konkreter Auseinandersetzungen für ein solidarisches Gesundheitswesen. Dennoch soll es privatisiert und kaputtgespart werden – von einer Politik, die öffentliches Gut enteignen will. Private „Investoren“ sollen mit unserer Krankheit spekulieren und fette Profite einfahren. Die Unterstützung für die Pflege wird gekürzt. Medikamentenkosten explodieren. Personaleinsparungen und Arbeitsdruck belasten jene, die im Fall von Erkrankung helfen sollten. Wir fordern daher die Bundesregierung, die Landesregierungen, den Nationalrat und die Landtage dazu auf, für den Schutz und den Ausbau eines öffentlichen, auf Solidarität beruhenden Gesundheitswesens Sorge zu tragen.

► Privatisierung – Wir sagen dazu Nein!

  • Nein zur Privatisierung von Krankenhäusern und anderen Dienstleistungen
  • Nein zur Zerschlagung der Sozialversicherung
  • Nein zur Drei-Klassen-Medizin
  • Nein zur Übermacht der Pharma- und Medizintechnik-Konzerne

► Gesunde Solidarität – Wir sagen Ja!

  • Ja zum Recht auf Gesundheit und gute Behandlung für alle
  • Ja zum Ausbau des öffentlichen Gesundheitssystems
  • Ja zu einer sozial gerechten Finanzierung des Gesundheitswesens
  • Ja zu genügend Personal für eine gute Versorgung
  • Ja zu gesunder sozialer Sicherheit, die nicht vom kranken Arbeitsmarkt abhängt
  • Ja zur Selbstverwaltung der Versicherungssysteme
  • Ja zu freier und unabhängiger Bildung und Forschung für mehr Gesundheit
  • Ja zu demokratisch kontrollierter/gemeinwohlorientierter Pharma/Medizintechnikindustrie
  • Ja zur BürgerInnen-Beteiligung – Mitsprache und Transparenz auf allen Ebenen!

Was Du tun kannst

Zuerst einmal geht es darum, dass Du die Petition von „Solidarisch G’sund“ unterzeichnest, und zwar ganz einfach hier. Und dann verbreite sie bitte weiter, per E-Mail, in Gesprächen, durch Verlinkung, über Facebook und so weiter. Alle können diese Botschaft weitertragen: Gleichheit macht gesund und glücklich!

Unsere Email: solidarischgsund ÄT hotmail.com

Das erste Treffen von „Solidarisch G’sund“ in Wien findet am Donnerstag, 26.Jänner 2012, 18.00 Uhr statt. Ort: Amerlinghaus, A-1070 Wien, Stiftgasse 8, 1. Stock, Galerie. Alle, die unsere Petition unterstützen, sind dazu herzlich eingeladen.

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3 Kommentare

Eingeordnet unter Aktionen solidarisch g'sund

3 Antworten zu “1. Wiener Treffen „Solidarisch G‘sund“, 26.1., Amerlinghaus – die Plattform für ein öffentliches Gesundheitswesen!

  1. Rudi Gabriel

    hallo!
    26.Jänner 2012 statt. Ort: Amerlinghaus, A-1070 Wien, Stiftgasse 8, 1. Stock, Galerie.
    bitte die Uhrzeit bekanntgeben !!

    rudi g.

  2. Auch ich bitte um Bekanntgabe der Uhrzeit !

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